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Vorläufer
der Verbindungen
Die
Entwicklung der modernen Universitäten begann im hohen
Mittelalter in Italien. Zunächst oblag die akademische
Ausbildung dem freien Unternehmertum. Der Erfolg hing von
der Leistung des Lehrenden ab.
In
Bologna war die Gesamtheit der Studenten Träger der
Hochschule. Dort schlossen sich erstmals Studierende in
"nationes" zusammen. An der Universität Paris
bildeten sich ebenfalls landsmannschaftliche Zusammenschlüsse.
In
Deutschland erfolgten Universitätsgründungen 1348 in Prag,
1365 in Wien und 1386 in Heidelberg.
Übernommen
wurde die Organisationsform der Pariser Universität. So gab
es in Paris zum Beispiel vier Nationen:
(französische, pikardische, normannische und
englische). In Prag waren es die Böhmen, Bayern,
Sachsen und Polen.
Die
Studenten der einzelnen Herkunftsländer lebten gemeinsam in
sogenannten Bursen. Dort wurden sie auch unterrichtet. Die
letzten Bursen wurde 1830 in Leipzig aufgehoben.
Beginn
der Verbindungen heutiger Ausprägung
In
der Mitte des 18. Jahrhunderts ( beginnende Aufklärung )
traten neben die Landsmannschaften sogenannte Orden, die
Elemente der Freimaurerbewegung
übernahmen,
wie das Lebensbundprinzip und die Abschottung nach außen.
Zwischen den Landsmannschaften alter Prägung und den Orden
bestand gegenseitige Feindschaft. Auseinandersetzungen
wurden in Form von Mensuren ausgetragen.
Die
beiden studentischen Gruppen wurden, insbesondere nach der
französischen Revolution den staatlichen Behörden suspekt.
1793 wurden sie verboten.
Die
Veränderung der Territorialverhältnisse im
Kleinstaatendeutschland durch Napoleon führte zu einigen überzähligen
Universitäten, die aufgehoben wurden, aber auch zu Neugründungen.
In
diesem Zusammenhang bildete sich der neue Verbindungstyp
heraus. Er
übernahm
von den alten Landsmannschaften das Rekrutierungssystem und
den Comment (Der Comment regelte in den Bursen das
Zusammenleben und den Ablauf der Zusammenkünfte). Von den Orden wurde die
Freiwilligkeit des Beitritts und das Lebensbundprinzip übernommen.
Die
Verbindungen waren zunächst unpolitisch. Im Zuge der französischen
Vor- und Fremdherrschaft änderte sich dies wie bei vielen
anderen Deutschen auch. Ziel war ein geeintes Volk, in einem
geeinten Statt unter den Leitmotiven Freiheit, Gleichheit,
Brüderlichkeit.
Dies
ging nun den Landesfürsten zu weit. So wurden die
Verbindungen am 20.9.1819
vom Bundestag in Frankfurt verboten. Erst 1848 mit
der Einführung der Vereinsfreiheit konnten sie wieder öffentlich
auftreten.
Ab
hier folgt nun die hohe Zeit der Neugründungen. Da gab es
die Verbindungen mit Bestimmungs- und freiwilliger Mensur.
Solche mit Mensurverbot, mit und ohne Farben, sowie
konfessionell gebundene. Schon vor 1914 gab es
Frauenverbindungen.
Nach
dem 1. Weltkrieg wurde die strikte Trennung der Universitäts-
und Hochschulverbindungen
aufgehoben. Insbesondere kehrte auch Frieden unter den
Dachverbänden ein. Das gegenseitige in Verruf
bringen wegen unterschiedlicher Duellstandpunkt hatte
ein Ende.
Man
könnte nun glauben, alles eitel Sonnenschein. Nein, denn
auch die Korporationen, wie übrigens auch weite Teile der
deutschen Öffentlichkeit, erkannten die Ernennung Adolf
Hitlers am 30. Januar 1933 nicht als Wendepunkt der
Geschichte. Schon 1933 gab sich die "Deutsche
Studentenschaft " eine neue Verfassung. Das dort
niedergelegte Führerprinzip hatten auch alle anderen
studentischen Vereinigungen zu übernehmen. Diese Prinzip
widersprach eindeutig dem grundsätzlich demokratischen
Aufbau der Korporationen. Als nächste Repression durften
keine jüdischen Kommilitonen aufgenommen werden, sowie jüdisch
versippte Alte Herren sollten ausgeschlossen werden. Das
dies beim Lebensbundprinzip der Verbindungen an den Nerv
ging kann man sich vorstellen. Ab nun wurden zwei
Anschriftenverzeichnisse geführt. Es soll nicht
verschwiegen werden, das es auch
antisemitisch eingestellte Verbindungen gab. Aber
diese hatten obige Probleme nicht, da sie keine betroffenen
Mitglieder hatten.
Die
jüdischen Verbindungen wurde alle, bis auf das zionistische
Kartell verboten. Die Nazis unterstützten das zionistische
Modell, da sie zunächst die Auswanderung der Juden wollten.
Erst später wurde
die sogenannte Endlösung beschlossen.
Die
christlichen Verbindungen sahen sich stärksten Pressionen
ausgesetzt. Ab 1934 wurden
die Dachverbände zwangsfusioniert (
gleichgeschaltet). Die Verbindungen wurden verpflichtet
Wohnkameradschaften zu bilden, deren Führer eine einjährige
Parteischulung hatten. Das öffentliche Farbentragen wurde
verboten, weil der CV anlässlich der
Fronleichnamsprozession chargiert hat. Nach dem
"Heidelberger Spargelessen" am 21.5.1936 verbot
Baldur von Schirach allen Angehörigen der
Hitlerjugend den Beitritt zu Verbindungen.
Die
Dachverbände konnten den Druck der Nazis nicht mehr
kompensieren, so dass sie sich 1936 auflösten. Weiterhin
trennten sich in vielen Verbindungen formell oder informell
je nach Lage der Aktivitas die Alten Herren von diesen. Ziel
war es eine intakte Altherrenschaft zu behalten, um von dort
her immer wieder den Verbindungsgedanken in die
Studentenschaft zu tragen.
Am
Ende des Sommersemesters 1936 gab es rd. 55.000 männliche
Studierende, davon waren 7.604 in Kameradschaften
organisiert. Die Verbindungen hatten ein Jahr zuvor noch die
doppelte Mitgliederzahl.
Kein
Zweifel, diese Lage musste aus Parteisicht geändert werden.
Den Kameradschaften, bzw. Wehrschaften fehlte die
finanzielle und
räumliche Ausstattung der Verbindungen. In einer Diktatur
kann dies sehr leicht geändert werden, indem man die
Verbindungen verpflichtet Patenschaften zu übernehmen und
sich zugleich in die Verbindungshäuser einnistet. Teilweise
wurden die Häuser wie bei den christlichen Verbindungen
gleich eingezogen, bei den anderen Korporationen erfolgte
dies 1938.
Dieser
Einzug hatte weitreichende Folgen, denn nach dem 2.
Weltkrieg galten diese Häuser als Eigentum der NS
Organisation. Es dauerte Jahre bis in langwierigen Prozessen
das Eigentum wieder erlangt werden konnte.
Auch
war nach dem Kriegsende das Verhältnis
zwischen Verbindungen und
Hochschulen sehr schlecht. Wo es ging wurden Verbote
ausgesprochen, wie zum Beispiel das Tragen der Farben in der
Öffentlichkeit (Zugegebenerweise keine originelle Idee -
siehe weiter oben). Vermutlich wollten auch die
Verantwortlichen durch vorauseilenden Gehorsam von der
eigenen Vergangenheit ablenken.
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